Regenwasser sammeln im Krisenfall: Was es leistet und was nicht
Regenwasser ersetzt deinen Trinkwasservorrat nicht, entlastet ihn aber spürbar: Von den durchschnittlich 121 Litern, die jede Person in Deutschland laut BDEW (Zahlen für 2023) täglich verbraucht, brauchen nur etwa 4 Prozent (Essen und Trinken) Trinkwasserqualität. Allein die Toilettenspülung macht 27 Prozent aus, das sind rund 33 Liter pro Person und Tag. Ein Dach mit 100 Quadratmetern Grundfläche fängt rechnerisch bis zu 79.100 Liter im Jahr auf (791 Liter pro Quadratmeter im Mittel 1991 bis 2020, Angabe des Deutschen Wetterdienstes). Trinken solltest du das Wasser ohne Aufbereitung nicht.
Kann ich Regenwasser einfach trinken?
Nein. Das Bayerische Landesamt für Umwelt schreibt auf seiner Seite zur Regenwassernutzung ausdrücklich, dass Regenwasser kein Trinkwasser ist. Auf dem Weg vom Himmel in die Tonne nimmt es Vogelkot, Staub, Pollen und Abrieb von der Dachhaut auf. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass die Hygienequalität auch bei Gartenwasser nicht an Trinkwasser heranreicht und die Risiken von der Nutzung abhängen. Für den Notfall heißt das: Du kannst Regenwasser zu Trinkwasser aufbereiten, aber nur als letzte Reserve, wenn der Vorrat aufgebraucht ist. Wie das geht, steht weiter unten.
Wie viel Wasser kommt von einem Dach zusammen?
Die Rechnung ist einfach: Dachfläche mal Niederschlag. Im langjährigen Mittel fallen in Deutschland 791 Liter pro Quadratmeter, 2025 waren es nach vorläufigen DWD-Zahlen nur etwa 655 Liter, rund 17 Prozent weniger. Bei 100 Quadratmetern Dachfläche wären das im Trockenjahr noch 65.500 Liter. In der Praxis landet weniger im Speicher, weil Wasser verdunstet, am Filter abläuft oder über den Überlauf verloren geht. Entscheidend ist ohnehin nicht die Jahressumme, sondern was in der Tonne steht, wenn es zwei Wochen nicht regnet. Das Landesamt nennt für Haushaltsanlagen in Ein- und Zweifamilienhäusern ein Speichervolumen von etwa 800 bis 1.000 Litern pro Person. Eine kleine Regentonne im Garten liegt deutlich darunter und reicht für den Notfall eher für einige Tage Toilettenspülung als für Wochen.
Wofür taugt Regenwasser im Krisenfall wirklich?
Am meisten bringt die Toilette. Fällt das Wasser aus, kannst du ein Becken mit einem Eimer Regenwasser spülen, statt dafür Trinkwasser zu opfern. Wie die Notfalltoilette und die Hygiene im Detail funktionieren, beschreibe ich im Artikel Notfalltoilette und Hygiene bei Stromausfall. Dazu kommen Putzwasser und Wäsche. Beim Waschen gibt es laut Landesamt eine Einschränkung: Wasser von Gras- oder Bitumendächern kann sich verfärben und taugt dann nicht für die Wäsche. Das Gießen im Garten ist der dritte Posten. Das Landesamt rechnet für einen Nutzgarten mit etwa 20 Litern pro Quadratmeter und Woche, für Rasenflächen mit rund 60 Litern pro Quadratmeter und Jahr. Ein Beet mit 20 Quadratmetern frisst also in einer trockenen Woche 400 Liter.
Welches Dach und welcher Speicher sind brauchbar?
Die Dachhaut entscheidet über die Qualität. Das Umweltbundesamt nennt nur Flächen ohne Kupfer, Zink und Teerpappe-Bitumen als brauchbar; bei Kupfer- oder Zinkdächern sind lediglich Rinnen und Fallrohre unproblematisch. Das Landesamt rät außerdem von Wasser unbeschichteter Kupfer-, Zink- und Bleidächer für Nutzgärten ab, weil sich Metalle lösen können, und von stark verschmutzten Dächern an vielbefahrenen Straßen. Vor dem Speicher gehört ein Feinfilter, der Speicher selbst steht kühl und dunkel. Der Zulauf sollte beruhigt sein, die Entnahme knapp unter der Oberfläche oder mindestens 10 Zentimeter über dem Boden erfolgen, damit kein Bodensatz mitgesaugt wird. Den Überlauf lässt du am besten vor Ort versickern. Für jeden Behälter gilt: Schwimmendes Laub und Schlamm machen aus gesammeltem Wasser binnen Tagen eine trübe Brühe, deshalb brauchst du einen Deckel und ein Sieb am Zulauf.
Muss ich eine Regenwasseranlage anmelden, und was kostet sie?
Für eine einfache Tonne am Fallrohr nennt keine der gelesenen Quellen eine Meldepflicht. Bei Anlagen mit Leitungen im Haus gilt sie: Das Landesamt nennt eine Anzeigepflicht beim Wasserversorger und bei der Kreisverwaltungsbehörde, bezogen auf Bayern. Die Trinkwasserverordnung (Paragraf 13) verlangt zudem eine Sicherungseinrichtung gegen die Vermischung mit Trinkwasser und eine farbliche Kennzeichnung der Leitungen. Frag deshalb vor einem Einbau bei deinem Versorger und deiner Gemeinde nach, denn Bebauungspläne können eigene Vorgaben enthalten. Die Kosten liegen laut Landesamt bei wenigen Tausend Euro, dazu kommen Leitungen und Kennzeichnung. Das Umweltbundesamt hält Anschaffung und Wartung für vergleichsweise teuer und nennt Amortisationszeiten deutlich über zehn Jahre. Als reines Krisenprojekt rechnet sich eine Hausanlage also kaum. Wohnst du zur Miete, brauchst du ohnehin die Zustimmung des Vermieters, dazu mehr im Beitrag Preppen in der Mietwohnung.
Wie bereite ich Regenwasser im Notfall zum Trinken auf?
Gegen Keime hilft Abkochen. Ein einmaliges sprudelndes Aufkochen genügt nach einem FAQ des Landkreises Pfaffenhofen zum Abkochgebot, danach lässt du das Wasser mindestens zehn Minuten abkühlen. Abgekühltes Wasser hält sich etwa 24 Stunden in einem sauberen, geschlossenen Behälter bei höchstens 18 Grad. Die Zahlen stammen aus der Praxis bei Leitungswasser, bei Regenwasser solltest du eher kürzere Zeiträume ansetzen. Vorher gießt du das Wasser durch ein sauberes Tuch oder einen Kaffeefilter, um Schwebstoffe loszuwerden. Abkochen beseitigt Bakterien und Viren, aber keine gelösten Metalle oder Chemikalien aus der Dachhaut. Ein Metalldach disqualifiziert das Wasser deshalb auch nach dem Kochen für die Trinkwassernutzung. Wie Chlordioxid-Tabletten und Pumpfilter im Vergleich abschneiden, habe ich in Wasser chemisch aufbereiten erklärt. Für Babynahrung empfiehlt die Verbraucherzentrale Niedersachsen selbst bei belastetem Leitungswasser stilles Wasser mit dem Hinweis auf Eignung für Säuglingsnahrung; Regenwasser würde ich dafür gar nicht erst in Betracht ziehen.
Wie groß sollte der eigentliche Trinkwasservorrat bleiben?
Regenwasser ändert nichts an der Grundregel: Die Verbraucherzentrale empfiehlt mindestens 2 Liter pro Person und Tag, aufgeteilt in 1,5 Liter zum Trinken und 0,5 Liter für Kochen und Zähneputzen, und rät zu einem Vorrat für zehn Tage. Für vier Personen sind das 80 Liter. Die lagerst du in Glasflaschen oder PET-Flaschen, kühl und dunkel. Tipps zur Lagerung findest du im Artikel Krisenvorrat richtig lagern. Das Regenwasser kommt als zweite Schicht dazu: Es verhindert, dass du das Trinkwasser für die Toilette verbrauchst, und streckt deine Reserve damit um ein Vielfaches.
Lohnt sich Regenwasser sammeln für dich?
Eine Tonne mit Deckel und Filter am Fallrohr kostet wenig und bringt im Krisenfall mehr als jede andere kleine Maßnahme zur Wasserversorgung, sofern dein Dach kein Kupfer, Zink oder Bitumen enthält. Eine Hausanlage mit Leitungen rechnet sich nur, wenn du ohnehin Trinkwasser für Toilette und Garten sparen willst. Für den Ernstfall zählt, dass du Eimer, ein Sieb, einen Deckel und etwas Platz im Garten oder auf dem Balkon hast, bevor der Regen kommt.







